Erneut Pipeline abgedreht – „​​​​​​​Auch wenn die Zeit knapp ist, noch können wir etwas tun.“

Mecklenburg-Vorpommern, 18. Mai 2022 – Wie bereits mehrfach in den vergangenen drei Wochen haben Maja Winkelmann und Jakob Beyer, als Teil der Letzten Generation, heute Morgen eine Pipeline friedlich abgedreht. Wie schon am Montagmorgen betätigten sie wieder das Notfall-Ventil an der Pumpstation Glantzhof bei Strasburg (Uckermark) der Rohölpipeline Rostock-Schwedt.

Maja Winkelmann und Jakob Beyer an der Pumpstation Glantzhof bei Strasburg (Uckermark), ihre Hände sind mit Sekundenkleber verklebt, Maja Winkelmann ist an der Pumpstation angekettet.

Sie stellen sich damit der Vernichtung unserer Gesellschaft, wie wir sie kennen, entgegen, welche durch das Verbrennen fossiler Brennstoffe wie Öl, Gas und Kohle befeuert wird. Sie fordern von Robert Habeck eine Lebenserklärung, in der er den Bau und die Finanzierung neuer fossiler Infrastruktur, insbesondere neue Öl- und Gasbohrungen in der Nordsee, ausschließt.

Maja Winkelmann (23), die gerade erst ihr Studium abgeschlossen hat: „Wenn wir nicht JETZT die Verantwortlichen wachrütteln und dem Klimanotfall entsprechend handeln, erreichen wir unumkehrbare Kipppunkte, die uns auf direktem Wege in weltweite Dürren, Hungerkatastrophen und Kriege um Essen und Wasser führen. Deshalb rufen wir alle unsere Mitmenschen dazu auf, sich uns anzuschließen. Unsere Geschichte zeigt uns, dass ziviler Widerstand den notwendigen gesellschaftlichen Wandel auch in so kurzer Zeit bewirken kann.

Maja Winkelmann (23)

Zu ihren persönlichen Beweggründen sagt Winkelmann: „Natürlich habe ich Angst um die Folgen, die mich erwarten und die Einsamkeit in der Gefängniszelle. Aber ich will mich nicht vor den noch viel schlimmeren Folgen und Ängsten verstecken, die uns bevorstehen werden, wenn wir den Kurs nicht ändern. Eben diese Liebe zum Leben ist es, die mir zeigt, dass wir jetzt das Notwendige tun müssen in dieser existenziellen Krise. Ich bin  bereit , dafür wenn nötig ins Gefängnis zu gehen.

Jakob Beyer (28), der seine Lehre zum Zimmermann abgebrochen hat, um sich voll und ganz dem zivilen Widerstand und Kampf für eine lebenswerte Zukunft zu widmen: „Bereits heute und seit vielen Jahren leiden die, die am wenigsten zu dieser Krise beigetragen haben, am meisten unter ihren Folgen. Doch ihr Leid, ihre Stimmen und ihre Proteste werden ignoriert. Und daraus wächst für mich die Verantwortung, alles mir gewaltfrei mögliche zu versuchen, um den Klimakollaps zu verhindern.

Jakob Beyer (28)

Seine Vision von einer besseren Welt schildert Beyer folgendermaßen: „Wenn wir jetzt auf erneuerbare Energien umsteigen, machen wir uns unabhängig von Diktaturen wie Russland und Qatar. Wir würden ihre Kriege nicht mitfinanzieren. Wir würden das Klima schützen, sinnvolle Arbeitsplätze schaffen und unseren Kindern eine lebenswerte Zukunft ermöglichen. Denn auch wenn die Zeit knapp ist – noch können wir etwas tun.“

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Carla Hinrichs
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